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Veranstaltungsreihe: Critical Theory in Context
Webinar

Antifaschistische Wirtschaftspolitik. Gespräch mit Isabella Weber

Isabella Weber diskutiert mit Sabine Nuss die Frage nach der Möglichkeit einer antifaschistischen Wirtschaftspolitik.

Termine

Mi., 02.04.2025
18:00 Uhr - 20:00 Uhr

Eintritt

frei
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»Can we now finally have a serious conversation about an anti-fascist economics?« (»Können wir jetzt endlich ernsthaft über antifaschistische Ökonomik sprechen?«) Mit diesem Social Media Post direkt nach der US-Präsidentschaftswahl 2024 hat die Ökonomin Isabella Weber international viel Aufsehen erregt und eine Debatte über stärkere Eingriffe des Staates in Wirtschaftsbelange losgetreten. Die Grundidee hinter Webers Intervention lautet ganz einfach: Die Inflation war das wahlentscheidende Thema und hat Trump zum Sieg verholfen. Wenn sich die Menschen – gezeichnet von mehreren Jahrzehnten Neoliberalismus – nicht mehr die lebensnotwendigen Güter leisten können, wenn sie unter ökonomischen Krisen, sozialem Abstieg und Wohlstandsverlusten leiden, verlieren sie das Vertrauen in die politisch-soziale Ordnung und wenden sich rechten Parteien zu. Um diesem weltweiten Rechtsruck etwas entgegenzusetzen, braucht es Weber zufolge eine grundlegend andere, eine »antifaschistische« Wirtschaftspolitik. Diese antifaschistische Wirtschaftspolitik soll durch eine Reihe von staatsintervenierenden Maßnahmen – wie Preisdeckel für Energie, Miete und Lebensmittel, Reform der Schuldenbremse, Übergewinnsteuer, Vermögenssteuer, gerechte Lohn- und grüne Industriepolitik, usw. – die Bedürfnisse und Sorgen der breiten Bevölkerung adressieren und für einen wirtschaftspolitischen Katastrophenschutz in Krisenzeiten, eine stärkere Umverteilung und soziale Sicherheit sorgen. Dabei sollen die Belange der Vielen oberstes Ziel dieser Politik und nicht nur Nebenprodukt eines Trickle-Down Effekts der Bevorzugung der Kapitalseite sein – es geht also um nichts weniger als eine ganz andere (staatliche) Politik.

Das Schlagwort einer antifaschistischen Ökonomie ist griffig, wirft aber auch einige Fragen auf: Wie grundlegend bricht die antifaschistische Ökonomie tatsächlich mit dem Status Quo? Wie müssen wir uns das Verhältnis von Staat und Wirtschaft vorstellen? Gibt es eine antifaschistische Wirtschaftspolitik auch über die staatliche Ebene hinaus? Lässt sich der Rechtsruck hinreichend durch eine vernachlässigte Sozialpolitik erklären und wie verhält es sich mit den ideologischen Aspekten faschistischer Einstellungen und Politiken? Und schließlich lässt sich fragen, wie Sabine Nuss zusammen mit Michael Heinrich kritisch angemerkt hat, ob dieses Konzept seinerseits verdeckt einen Nationalismus vertritt. Was bräuchte es also noch, damit die antifaschistische Wirtschaftspolitik ihren „Namen verdient“?

Isabella M. Weber
ist Ökonomin und Professorin für Volkswirtschaftslehre an der University of Massachusetts Amherst. Sie ist Autorin von Das Gespenst der Inflation. Wie China der Schocktherapie entkam, das 2023 im Suhrkamp Verlag erschien, sowie Mitherausgeberin des Wirtschaftsmagazins Surplus. Weber beschäftigt sich in ihrer Forschung schwerpunktmäßig mit der politischen Ökonomie Chinas, internationalem Handel, der Geschichte des wirtschaftlichen Denkens sowie mit Preis- und Geldtheorie.

Sabine Nuss
ist Politologin, Journalistin und Publizistin. Nach ihrer Ausbildung zur Redakteurin an der Axel Springer Journalistenschule Hamburg studierte sie Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin und promovierte über Eigentum im digitalen Kapitalismus. Sie ist Herausgeberin und Autorin verschiedener Bücher zu den Themen Naturverhältnisse im Kapitalismus, Eigentum & Vergesellschaftung, sowie Digitalisierung. Sie ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Prokla, Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaften, sowie Co-Host des Wirtschaftspodcast „Armutszeugnis“. Von Januar bis Dezember 2025 ist sie Fellow am Centre for Social Critique.


Weitere Informationen

Veranstalter: Centre for Social Critique an der Humboldt-Universität zu Berlin
Referenten: Dr. Tzvetomila Pauly
Moderation: Prof. Rahel Jaeggi, Dr. Johanna Bussemer

Zur Website der Veranstaltung

Kontakt

Tzvetomila Pauly
Telefon: 030 2093 99154
tzvetomila.pauly@hu-berlin.de

Raum: Webinar HU Zoom