Veranstaltungen
Veranstaltungsreihe: Ästhetik der religiösen Begegnung
Ringvorlesung
Die stille Kraft des Schönen. Ästhetik als politische Perspektive
Termine
Do., 15.05.202516:15 Uhr - 17:45 Uhr
Standort
Theologische FakultätEintritt
frei 
Gespräch mit Bodo von Plato
Philosoph, Autor, Herausgeber, Vorstand Stiftung Kulturimpuls Berlin
In den existentiellen, menschengemachten Herausforderungen von heute und morgen werden wohl Religion und Kunst – im Zusammenhang mit Wissenschaft und Lebensführung – eine ganz maßgebliche Rolle zu spielen haben. Denn sie sind selbst menschengemacht und führen doch, wo sie ihren Namen verdienen, immer über sich selbst und den einzelnen Menschen hinaus. Alle Kunst findet in der Ästhetik ihren konkreten Zusammenhang mit Erkenntnissuche und Reflexion (Wissenschaft), mit täglichen und spirituellen Existenzfragen (Lebensführung). Denn sie ist nicht allein Reflexion des Kunstschaffens. Ursprünglich und ihrer Bestimmung nach ist sie Verbindung von Materie und Geist, von Stoff und Form, von sinnlicher und übersinnlicher Welt. Sie ist Verbindung, Durchdringung und Verwandlung von Gegensätzen – im Menschen, durch den Menschen, als Mensch. Eine Wertschätzung und Ausbildung ästhetischer Erfahrung eröffnet menschliche, unerwartete und transformatorische Horizonte. Ästhetische Erfahrung ist nicht und nie einseitig; sie unterscheidet wohl, aber verbindet das Verschiedene; sie entsteht aus Verbindendem ohne Unterscheidungs-losigkeit; sie ist beziehungsstiftend; sie lebt gleichermaßen aus empfangen und hervorbringen; sie ist – wie die in ihrer Unwirksamkeit wirksame Kontemplation – passiv und aktiv zugleich; sie weiß um eine Verhältnismäßigkeit, die nicht vorher gewusst werden kann; sie erscheint am vollkommensten, wo Sinnliches und Geistiges einander wirklich durchdringen, wo Wahrnehmung und Reflexion Unvorhersehbares in Ange-messenheit schaffen. Wirklich, unvorhersehbar und angemessen wie der Mensch selbst. Schöpferisches Geschöpf, das erkennt und hervorbringt – und bald dieses durch jenes. Erkennen des Erkennens als Menschliches des Menschen? Bodo von Plato.
Autor, Herausgeber, 2001 bis 2018 Vorstandsmitglied der Allgemeinen Anthroposo-phischen Gesellschaft am Goetheanum in Dornach. Er studierte Geschichte, Philosophie und Pädagogik in Deutschland, Österreich und Frankreich, arbeitete mit schwerbe-hinderten Erwachsenen und war als Oberstufenlehrer in Paris tätig. Ab 1989 arbeitete er mit am Aufbau der Forschungsstelle Kulturimpuls und übernahm deren Leitung.Plato lebt in Berlin und arbeitet an einem Forschungs- und Aktions-projekt zum gegenwärtigen Bewusstseins- und Mentalitätswandel. Die «Stiftung Kulturimpuls» ist der Forschung zu Entwicklungs-fragen des Menschlichen im 20. und frühen 21. Jahrhundert gewidmet. Sie fördert entsprechende Projekte, Aktionen und Publikationen, Koopera-tionen und Veranstaltungen.
DAS SUMMEN DER TEILE.
Interreligiöse und transkulturelle Dialoge
als nomadisches Kulturprojekt
Ein Wortspiel ist der Titel. Er greift die bekannte Einsicht des Aristoteles auf, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile – und er verwebt sie mit dem Summen, dem Klang von Völkern kleiner Lebewesen, den wir bald nicht mehr hören werden, wenn wir nicht im Vorwärtsgehen zu einer weisen Form menschlicher Lebensgestaltung zurückfinden. Die Veranstaltungsreihe bringt Religion, Kunst, Wissenschaft mit ihrer jeweils inneren Vielfalt und mit ihren schon immer gegebenen Verbindungslinien ins Gespräch, ins Erfahren, ins Handeln. Dabei werden die Stimmen derer besonders hervorgehoben, die oft machtvoll überhört werden: Die Frauen, der globale Süden, die Menschen, die nie aufgehört haben, nachhaltig zu leben. Genauso sind Tiere und Pflanzen, der Planet Erde und seine Atmosphäre, die Wasser und all die verschiedenen Erden auf der Oberfläche des Planeten Teile des komplexen Ökosystems, das nur als Ganzes überleben kann und uns ein Überleben ermöglicht.
Religiöse Lehrbildungen und Praktiken haben von alters her zum Respekt vor dem Zusammenhang des Ganzen angeleitet; Formen der Kunst haben ihn veranschaulich und symbolisch zu denken gegeben; die Wissenschaft hat sich in den besten ihrer Suchbewegungen immer wieder von den Einzelheiten auf das Ganze zurückorientiert. Es geht darum, die Einsichten von Pionierinnen und Pionieren eines vernetzten Denkens an die jüngere Generation der 18 – 30jährigen weiterzugeben und die Jüngeren dazu ihre eigene Position finden zu lassen. Es geht darum, durch neue Formen der Resonanz die Kultur eines respektvollen und friedlichen Umgangs zwischen Menschen unterschiedlicher religiöser und kultureller Prägungen mit Menschen in Kontakt zu bringen, die es bisher scheuen, die Wege von Anderslebenden zu kreuzen. Dazu werden die Begegnungen im urbanen Raum Berlins sinnvoll verbunden mit virtuellen Formaten in den sozialen Medien, insbesondere über Bilder und Videos.
Weitere Informationen
Veranstalter: Theologische Fakultät
Referenten: Bodo von Plato
Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Andreas Feldtkeller
Kontakt
Sekretariat
Telefon: 030-2093-91790
kunstplanbau@web.de
Adresse
Burgstraße 26, 10178 Berlin
Raum: Raum 108
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